Conto Termico 3.0 – Änderungen und Neuerungen
Was KMUs und Gemeinden jetzt wissen müssen
Italien hat sein wichtigstes Förderinstrument für thermische Energie erneuert und die Änderungen sind erheblich. Mit dem Conto Termico 3.0 treten neue förderfähige Maßnahmen, aktualisierte Fördersätzeund ein überarbeiteter Antragsprozess in Kraft. Wer die Energieförderung für Wärmepumpen, Solarwärme oder Gebäudedämmung nutzen möchte, steht vor einem aktualisierten Regelwerk.
Dieser Artikel erklärt, was sich geändert hat, wer profitiert und wie der GSE-Antrag korrekt gestellt wird.
Das erwartet Sie in diesem Artikel:
- Was der Conto Termico 3.0 ist und wie es sich von den Vorgängerversionen unterscheidet.
- Wer antragsberechtigt ist: öffentliche Einrichtungen, KMU und andere private Akteure.
- Welche Maßnahmen gefördert werden – von Wärmepumpen bis zur Gebäudehülle.
- Wie die Förderhöhe berechnet wird und welche Beträge realistisch sind.
- Der Antragsweg beim GSE – Schritt für Schritt erklärt.
- Fristen, Budgets und wichtige Termine für 2026.
- Die häufigsten Fehler beim Conto Termico – und wie Sie sie vermeiden.
- Fünf häufig gestellte Fragen, direkt beantwortet.
Was ist der Conto Termico 3.0 und was ist neu?
Der Conto Termico ist Italiens staatliches Förderprogramm für die energetische Sanierung von Gebäuden und die Nutzung erneuerbarer Wärmeenergie. Es wird vom GSE (Gestore dei Servizi Energetici) verwaltet und richtet sich an öffentliche Einrichtungen sowie private Akteure einschließlich Unternehmen.
Von 1.0 zu 3.0 – Die Entwicklung des Programms
Die erste Version des Conto Termico trat 2012 in Kraft (Dekret vom 28. Dezember 2012), die überarbeitete Fassung Conto Termico 2.0 im Jahr 2016. Das nun vorliegende Conto Termico 3.0 stellt die bisher umfangreichste Aktualisierung dar.
Die wesentlichen Neuerungen im Überblick:
- Höhere bzw. aktualisierte Fördersätze für zahlreiche förderfähige Maßnahmen.
- Erweiterter Maßnahmenkatalog, der unter anderem bestimmte Hybridlösungen, hocheffiziente Anlagen sowie unter bestimmten Voraussetzungen Photovoltaik und Ladeinfrastruktur in Kombination mit Wämrepumpen berücksichtigt.
- Vereinfachter digitaler Antragsprozess über das GSE-Portal.
- Kürzere Auszahlungszeiträume – Einmalzahlung in bestimmten Fällen, insbesondere bei Förderbeträgen bis zu 15.000 Euro bzw. in den dafür vorgesehenen Konstellationen; ansonsten Auszahlung in jährlichen Raten.
- Anpassung an den europäischen Green Deal und die nationalen Klimaziele bis 2030.
Das Programm bleibt ein Zuschuss – kein Darlehen, kein Steuerbonus. Die Förderung wird je nach Maßnahme und Antragsteller entweder in einer Einmalzahlung oder in jährlichen Raten über zwei bis fünf Jahre ausgezahlt.
Wer ist antragsberechtigt?
Der Conto Termico 3.0 unterscheidet zwei Hauptgruppen:
Öffentliche Einrichtungen (Soggetti Pubblici)
Dazu zählen unter anderem Gemeinden, Provinzen, Regionen, staatliche Einrichtungen, öffentliche Schulen und Krankenhäuser sowie bestimmte öffentliche Wohnbaugesellschaften. Für diese Gruppe ist der Maßnahmenkatalog besonders breit: Öffentliche Einrichtungen können sowohl Energieeffizienzmaßnahmen an bestehenden Gebäuden als auch Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Wärmeenergie fördern lassen.
Für Gemeinden ist besonders relevant: In bestimmten Fällen kann der Zuschuss bis zu 100 Prozent der anerkannten Kosten betragen, insbesondere für Maßnahmen an Gebäuden im Eigentum von Gemeinden mit bis zu 15.000 Einwohnern, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.
Private Akteure (Soggetti Privati)
Zu den privaten Akteuren zählen Privatpersonen, Kondominien, Unternehmen sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch größere Unternehmen und Einrichtungen des Dritten Sektors.
Für Unternehmen ist die Einordnung besonders wichtig: Effizienzmaßnahmen des Titolo II, etwa Dämmung, Fenstertausch, Verschattung, Beleuchtung, Gebäudeautomation, Ladeinfrastruktur oder Photovoltaik in Kombination mit Wärmepumpe, sind für private Antragsteller einschließlich Unternehmen grundsätzlich auf Gebäude des tertiären Bereichs beschränkt.
Welche Maßnahmen werden gefördert?
Kategorie A: Erneuerbare Wärmeenergie (für alle Antragsberechtigten)
- Wärmepumpen zählen zu den meistgefragten Maßnahmen im Conto Termico 3.0. Sowohl Luft-Wasser- als auch Erdwärme-Wärmepumpen können förderfähig sein, sofern sie die technischen Mindestanforderungen des GSE erfüllen.
- Solarwärmeanlagen – sowohl für Warmwasserbereitung als auch zur Heizungsunterstützung – werden weiterhin gefördert. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch Anlagen für Prozesswärme oder die Einspeisung in Wärme- und Kältenetze relevant.
- Biomassekessel und -öfen mit hohem Wirkungsgrad und niedrigen Emissionswerten bleiben förderfähig. Die Anforderungen an Effizienz und Emissionen sind genau zu prüfen.
- Wärmenetzanschlüsse können förderfähig sein, wenn die jeweiligen technischen Anforderungen erfüllt sind und ein bestehendes Heizungssystem entsprechend ersetzt wird.
Kategorie B: Energieeffizienz an der Gebäudehülle (nur öffentliche Einrichtungen)
Maßnahmen an der Gebäudehülle sind nicht mehr pauschal nur öffentlichen Einrichtungen vorbehalten. Richtig ist: Öffentliche Einrichtungen können diese Maßnahmen nutzen; private Antragsteller einschließlich Unternehmen können Effizienzmaßnahmen des Titolo II nur für Gebäude im tertiären Bereich nutzen.
Zu den förderfähigen Effizienzmaßnahmen zählen je nach Voraussetzungen unter anderem:
- Wärmedämmung von opaken Bauteilen wie Außenwänden, Dächern und Böden.
Austausch transparenter Bauteile einschließlich Fenster und Türen. - Solare Verschattungssysteme.
- Umwandlung bestehender Gebäude in Niedrigstenergiegebäude bzw. Gebäude mit sehr hoher Energieeffizienz.
- Austausch von Innen- und Außenbeleuchtung durch effiziente Systeme.
- Gebäudeautomation und Regelungstechnik.
- Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, wenn sie gemeinsam mit dem Austausch bestehender Heizungsanlagen durch elektrische Wärmepumpen realisiert wird.
- Photovoltaikanlagen mit Speicher und Netzanschlussarbeiten, wenn sie gemeinsam mit dem Austausch bestehender Heizungsanlagen durch elektrische Wärmepumpen realisiert werden.
Förderhöhe und Berechnung
Die Förderhöhe im Conto Termico 3.0 richtet sich nach mehreren Faktoren: der Art der Maßnahme, der Anlagengröße bzw. der behandelten Fläche, dem Standort (Klimazone) sowie dem Antragstyp (öffentlich oder privat).
Beispielhafte Fördersätze (Richtwerte 2026)
Die Förderhöhe im Conto Termico 3.0 richtet sich nach mehreren Faktoren: der Art der Maßnahme, der Anlagengröße bzw. der behandelten Fläche, dem Standort und der Klimazone sowie dem jeweiligen Antragsteller und Zugangspfad.
Beispielhafte Förderlogik
Bei Wärmepumpen hängt die Förderung unter anderem von der installierten Leistung, der Effizienz der Anlage und den technischen Parametern ab. Der maximale Förderbetrag ist gedeckelt.
Bei Effizienzmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden oder tertiären Gebäuden privater Antragsteller hängt die Förderhöhe von der Maßnahme, der anerkannten Kostenbasis und den jeweiligen Förderintensitäten ab.
Für bestimmte öffentliche Gebäude, insbesondere Gebäude im Eigentum kleiner Gemeinden bis 15.000 Einwohner, kann in den vorgesehenen Fällen eine Förderung bis zu 100 Prozent der anerkannten Kosten möglich sein.
Die Gesamtfördersumme wird je nach Maßnahmenkategorie entweder über spezifische Berechnungsformeln, über anerkannte Kosten oder über technische Parameter wie installierte Leistung, Fläche und erwartete Einsparung berechnet. Maßgeblich sind die offiziellen Vorgaben des GSE.
Der Antragsprozess beim GSE – Schritt für Schritt
Schritt 1: Vorabprüfung der Förderfähigkeit
Bevor eine Maßnahme beauftragt oder begonnen wird, sollte die Förderfähigkeit des Vorhabens geprüft werden. Das betrifft sowohl die Anlagentechnik (Effizienzanforderungen) als auch die gebäudebezogenen Voraussetzungen.
Für Unternehmen ist besonders wichtig: Die vorläufige Anfrage bzw. Bewertung muss vor Beginn der Arbeiten übermittelt werden.
Schritt 2: Technische Dokumentation vorbereiten
Für die Antragstellung werden je nach Maßnahme unter anderem technische Datenblätter, Kostennachweise, Fotos, Nachweise zur bestehenden Anlage, gegebenenfalls Energieausweise, Energieaudits, technische Berichte und weitere Unterlagen benötigt.
Schritt 3: Antragstellung über das GSE-Portal
Der Antrag wird digital über das GSE-Portal eingereicht. Der Conto Termico 3.0 sieht unterschiedliche Zugangspfade vor, insbesondere den Direktzugang, den reservierten Zugang sowie spezielle Funktionen wie die vorläufige Bewertung für Unternehmen.
Beim Direktzugang erfolgt die Antragstellung grundsätzlich nach Abschluss der Maßnahme. Beim reservierten Zugang wird die Förderung vorab reserviert, insbesondere für bestimmte öffentliche Antragsteller und definierte Fälle.
Schritt 4: Prüfung und Genehmigung
Der GSE prüft den Antrag auf formale und technische Vollständigkeit. Bei Unvollständigkeit erfolgt eine Aufforderung zur Nachbesserung mit Fristangabe. Nach Genehmigung wird ein Fördervertrag ausgestellt.
Schritt 5: Auszahlung
Die Auszahlung erfolgt nach Maßgabe der genehmigten Förderbedingungen. Je nach Fall ist eine Einmalzahlung oder eine Auszahlung in jährlichen Raten vorgesehen.
Fristen und wichtige Termine 2026
Der Conto Termico 3.0 ist grundsätzlich kein klassisches befristetes Programm mit fixer Einreichdeadline, sondern ein laufendes Förderinstrument mit jährlichen Ausgabenplafonds. Anträge können gestellt werden, solange die jeweiligen Budgets verfügbar sind und der Zugang über das Portal offen ist.
Das jährliche Budget beträgt 900 Millionen Euro. Davon entfallen 400 Millionen Euro auf öffentliche Verwaltungen, einschließlich eines Teilbudgets von 20 Millionen Euro für Energieaudits. 500 Millionen Euro entfallen auf private Antragsteller; darin enthalten ist ein Teilbudget von 150 Millionen Euro für Unternehmen.
Achtung: Der GSE hatte die Einreichung neuer Anträge zum Conto Termico 3.0 am 03.03.2026 vorübergehend ausgesetzt, nachdem in den ersten Öffnungstagen ein sehr hohes Antragsvolumen eingegangen war. Seit 13.04.2026 ist der Portaltermico wieder geöffnet. Nach den veröffentlichten Informationen betrifft die Wiederaufnahme zunächst insbesondere den Direktzugang; für Unternehmen bleibt die Funktion valutazione preliminare imprese relevant.
Für öffentliche Einrichtungen mit Vorhaben im Rahmen des PNRR können zusätzliche Fristen und Vorgaben gelten, die mit dem jeweiligen Förderpfad abzustimmen sind.
Die häufigsten Fehler beim Conto Termico und wie Sie sie vermeiden
- Maßnahme zu früh begonnen – Bei Vorhaben, die eine Voranmeldung erfordern, führt ein vorzeitiger Baubeginn zum Ausschluss. Auch beim vereinfachten Zugang sollte die Reihenfolge der Dokumentation korrekt eingehalten werden.
- Anlage erfüllt die technischen Mindestanforderungen nicht.
- Nicht jede Wärmepumpe, jeder Biomassekessel oder jede Anlage ist automatisch förderfähig. Die technischen Mindestwerte müssen erfüllt und durch geeignete Unterlagen nachgewiesen werden.
- Fehlender oder veralteter Energieausweis – Für viele Maßnahmen ist ein aktueller APE Pflichtbestandteil des Antrags. Ein abgelaufener oder nicht normenkonformer Ausweis führt zur Ablehnung.
- Falsche Kostenzuordnung – Nicht alle im Zusammenhang mit einer Maßnahme anfallenden Kosten sind förderbar. Die Abgrenzung förderfähiger von nicht förderfähigen Kosten ist programm- und maßnahmenspezifisch geregelt.
- Antrag ohne technische Begleitung – Insbesondere bei öffentlichen Einrichtungen und komplexeren Vorhaben führen technisch unvollständige Anträge regelmäßig zu Verzögerungen oder Ablehnungen.
Häufige Fragen zum Conto Termico 3.0
Kann ich den Conto Termico mit anderen Förderungen kombinieren?
Eine Kombination mit anderen Förderinstrumenten ist nur im Rahmen der jeweils geltenden Kumulierungsregeln möglich. Dieselbe Maßnahme darf nicht unzulässig doppelt gefördert werden. Vor Antragstellung sollte daher geprüft werden, welche Förderungen miteinander kombinierbar sind.
Wie lange dauert die Bearbeitung eines GSE-Antrags?
Bei korrekter und vollständiger Einreichung beträgt die Bearbeitungszeit beim GSE in der Regel 60 bis 90 Tage. Bei Nachbesserungsbedarf verlängert sich dieser Zeitraum entsprechend.
Ist der Conto Termico 3.0 auch für Mietobjekte anwendbar?
Grundsätzlich kann das möglich sein, sofern der Antragsteller die notwendigen Rechte und Genehmigungen für die Maßnahme nachweisen kann und alle übrigen Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Bei vermieteten Gewerbeimmobilien sind Eigentumsverhältnisse und vertragliche Regelungen vorab zu klären.
Welche Rolle spielt die Klimazone bei der Förderhöhe?
Die Klimazone des Gebäudestandorts beeinflusst die Berechnung der anerkannten Energieeinsparung und damit die Förderhöhe direkt. Standorte in Klimazone E und F (z. B. Berglagen in Südtirol) profitieren tendenziell von höheren Berechnungsgrundlagen.
Fazit: Conto Termico 3.0 – frühzeitig vorbereiten und profitieren
Der Conto Termico 3.0 ist das leistungsfähigste staatliche Förderinstrument für thermische Energie, das Italien bislang aufgelegt hat. Für KMU und Gemeinden in Südtirol eröffnet es erhebliche Möglichkeiten, Energiekosten zu senken, den Gebäudebestand zu modernisieren und gleichzeitig staatliche Mittel abzurufen.
Die Bedingung: frühzeitige Planung, korrekte Dokumentation und ein Antrag, der die technischen Anforderungen des GSE lückenlos erfüllt. Wer jetzt in die Vorbereitung investiert, ist in der besten Position, um das Programm voll auszuschöpfen – bevor das Jahresbudget aufgebraucht ist.
Möchten Sie wissen, ob der Conto Termico 3.0 für Ihr Projekt infrage kommt?
Autorin Miriam Rieder. Expertin für EU-, Staats- und Landesförderungen.
Über 20 Jahre Erfahrung in der Begleitung von lokalen, nationalen und europäischen Förderprojekten, von der Idee, über den förderwürdigen Antrag bis hin zur erfolgreichen Umsetzung und Abrechnung. Mit einem europaweiten Netzwerk, internationaler Ausbildung und Fokus auf Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit unterstützt sie Unternehmen und Verwaltungen dabei, Förderungen optimal zu nutzen.
Alle News auf einem Blick
Fördernews direkt ins Postfach
Melde dich zu unserem Newsletter an und bleib bei Förderungen auf dem Laufenden!
genommen und willige in die Zusendung des Newsletters ein.