Traumberuf EU-Fundraiserin: Ein Kurzinterview mit der Südtiroler Förderexpertin Miriam Rieder

Die EU verschenkt kein Geld, aber sie stellt für gute Projektvorhaben Fördermittel bereit. Auf den Listen genehmigter Förderprojekte finden sich-in Südtirol wie anderswo-häufig „Wiederholungstäter“, also Unternehmen oder Einrichtungen, die immer wieder erfolgreich Fördermittel beantragen. Während die Förderlandschaft für andere ein eher unbekanntes Terrain ist.

Erfahrene und kompetente Fördermittel-Expertinnen stehen in der Wirtschaftswelt inzwischen hoch im Kurs. Denn Fundraiser*innen, wie Miriam Rieder von der Förderfactory, unterstützen ihre Kunden in der Beantragung und Umsetzung von Förderprojekten.

Im Kurzinterview erzählt sie etwas genauer, worin ihre Tätigkeit besteht.

Frau Rieder, Sie sind Fundraiserin von Beruf. Worin genau besteht denn Ihre Arbeit?

Ich beantrage Fördermittel für Unternehmen, Organisationen und öffentliche Verwaltungen. In Südtirol, wie in anderen Regionen Europas, wird das Potential von Förderungen im Allgemeinen und von EU-Förderungen im Speziellen zu wenig genutzt. Vor allem kleinere Betriebe kennen die Fördermöglichkeiten zu wenig, und jene, die grundsätzlich offen sind für Förderungen, schreckt häufig der bürokratische Aufwand ab. Tatsächlich sind die Antragstellung, die administrative Abwicklung von Förderprojekten und die damit verbundene Berichterstattung relativ aufwändig. Den größten bürokratischen Aufwand bergen sicherlich EU-Förderprojekte, aber entgegen falscher Annahmen ist der Aufwand in jedem Förderprogramm durchaus zu bewältigen.

Miriam Rieder

Miriam Rieder

Das hört sich mehr nach Zettelwirtschaft und nicht unbedingt nach Traumjob an, oder?

Doch, das Thema Fördermittelakquise ist gar nicht so trocken, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Projektanträge und gerade EU-Projekte erfordern eine kreative Ader, und wir Fundraiser*innen sind mehr als reine Antragtexter. Wir kreieren Projektideen und unterstützen unsere Kunden häufig in der inhaltlichen Ausgestaltung des Projektes, wir arbeiten strategisch, sind auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene gut vernetzt, und wir unterstützen unsere Kunden bei der Suche geeigneter Projektpartner. Gerade die EU-Förderprojekte sind für mich immer wieder eine Gelegenheit um über den regionalen Tellerrand hinauszublicken. Für mich vereint der Beruf der Fördermittelexpertin eine Reihe von spannenden Aktivitäten, und nach nun fast 20 Jahren Tätigkeit macht es immer noch genauso viel Spaß wie am ersten Tag.

Welche Fähigkeiten sollte eine Fundraiserin mitbringen?

In jedem Fall sind kommunikationsstarke Menschen im Vorteil. Weitere Soft-Skills wie Organisationsgeschick, ein selbstbewusstes Auftreten, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit sind wichtige Voraussetzungen. Hohe Leistungsbereitschaft, Eigeninitiative und die Bereitschaft, sich fach- oder branchenspezifisch weiterzubilden zählen ebenfalls dazu. Wer Ausbildung und Erfahrung im Projektmanagement, im Controlling sowie in der Öffentlichkeitsarbeit vorweisen kann, tut sich leichter und unabdingbare Voraussetzung sind der vertraute Umgang mit Office- und Projektsoftware sowie eine hohe Sprachenkompetenz vor allem in der zweiten Landessprache und in Englisch.

Gibt es Ausbildungen auf dem Weg zu diesem Beruf oder gilt „learning by doing“?

„Learning by doing“ kann sich im Förderdschungel schnell als zeit- und kostenintensiv herausstellen. Erfolgreiche Förderantragstellung ist erlernbar und inzwischen auch zunehmend gefragt. Es gibt eine Reihe von Institutionen, die Aus- und Weiterbildungen im Bereich EU-Fundraising anbieten, und die Kosten für die Bildungsmaßnahmen sind in der Regel sogar förderbar. Ich selbst habe neben meinem Jura-Studium, eine Ausbildung zur zertifizierten Projektmanagementfachfrau nach IPMA-Standards absolviert und einen Masterlehrgang of Management in EU-Funds in Berlin besucht. Meine journalistische Zusatzausbildung erweist sich ebenfalls als nützlich für die Kommunikationsarbeit in den Projekten. Die Kombination aus Wissen und Berufserfahrung macht schlussendlich den Unterschied aus.

Welche Tipps geben Sie angehenden Fundraiser*innen?

Bauen Sie Ihr Fördermittel-Wissen systematisch auf und aus. Fundraising besteht nicht nur aus Texten, sondern ein gewisses Zahlenverständnis und Grundlagen im Projektmanagement sind mindestens genauso gefragt. Schnuppern Sie Antragsluft! Warum nicht im kleinen, ehrenamtlichen Rahmen, z.B. für Vereine Projektanträge ausarbeiten oder Erfahrung bei Profis im Rahmen eines Praktikums sammeln. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Recherchieren Sie gezielt nach Organisationen mit laufenden EU-Projekten und bieten Sie dort ihr Engagement an. EU-Projekte unterliegen der Verbreitungspflicht und sind deshalb leicht zu finden.