EU-Förderungen im Tourismus

Quer über den Kontinent gilt der Aufruf, dass die Menschen daheim bleiben sollen. Flieger bleiben am Boden, Flughäfen sind menschenleer und Hotels geschlossen. Die Corona-Pandemie hat Europa fest im Griff und die Tourismusbranche stöhnt.

62 Mio. Gäste aus aller Welt haben 2018 in Italien Urlaub gemacht und Einnahmen in der Höhe von 49 Mrd. US Dollar in die Kassen der Tourismustreibenden gespült. Mehr als 17 Mio. Menschen sind allein im Fremdenverkehr beschäftigt. Als drittgrößter Wirtschaftszweig der EU hat der Tourismus erheblichen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung und die gesellschaftliche Entwicklung.

Innerhalb weniger Tage ist dieses sich so schnell drehende Rad auch in Südtirol abrupt zum Stehen gekommen, und das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen für unser Land und für Europa ist aktuell nicht wirklich absehbar.

Sicher, Reisen ist inzwischen ein Grundbedürfnis geworden, und irgendwann werden die Menschen auch wieder Urlaub machen. Doch wie schnell sich die Tourismusbranche der EU von dieser Krise erholt ist unklar.

Klar ist: Europa benötigt auch in Zukunft einen starken Tourismussektor, und deswegen können zukünftig die verschiedenen EU-Programme zur Förderung des Fremdenverkehrs noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Der nachstehende Beitrag beantwortet die wichtigsten Förderprogramme der EU für den Tourismussektor: Welche Maßnahmen können im Tourismusbereich sind förderfähig? Wer kann eine Förderung beantragen? Welche Finanzierung kommt in Frage und wie hoch kann sie ausfallen?

Die Fördermittelarten – Direkte und indirekte Finanzhilfen

Bei einer Förderung durch die EU wird zwischen direkten und indirekten Finanzhilfen unterschieden. Eine direkte Finanzhilfe wird in Form von Zuschüssen gewährt, während eine indirekte Förderung durch ein zwischengeschaltetes Finanzinstitut, auch als Finanzmittler bezeichnet, erfolgt.

Um eine direkte Finanzhilfe von der EU zu erhalten, ist die Einreichung von expliziten Förderanträgen erforderlich. Dabei werden Projekte kofinanziert, die zur Erreichung von Zielsetzungen der Europäischen Union beitragen.

Wichtig:

  • Durch die Inanspruchnahme einer Finanzhilfe darf der Empfänger keinen Gewinn für sich selbst erzielen, sie dienen lediglich der Kostendeckung.
  • Auf keinen Fall dürfen dieselben Kosten doppelt bezuschusst werden, gemäß dem Grundsatz des Kumulierungsverbots.
  • Finanzhilfen dürfen nicht rückwirkend, also für bereits abgeschlossene Projekte, gewährt werden.

Eine indirekte Finanzierung hingegen können Sie durch Darlehen, Bürgschaften und Beteiligungsfinanzierungen in Anspruch nehmen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren in der Expansions- und Gründungsphase von dieser Fördermöglichkeit.

Im nachfolgenden erfahren Sie detailliert, welche Fördermittelarten für die Tourismusbranche unter anderem möglich sind. Bevor Sie in die einzelnen Förderprogramme eintauchen hier noch eine Empfehlung zur konkreten Vorgehensweise. Schneiden Sie den Elefanten in kleine Scheiben und gehen Sie schrittweise vor. Sollten Sie Unterstützung benötigen, ist unser Team jederzeit für Sie da.

Schritt 1: Ermitteln Sie das für Ihr Vorhaben geeignete Förderprogramm oder Finanzinstrument.

Schritt 2: Checken Sie, ob bzw. wann in den für Sie geeigneten Programmen Aufforderungen zur Einreichung von Förderanträgen (sog. Calls) offen sind. Scheuen Sie sich nicht davor, bei den zuständigen Ämtern oder Anlaufstellen nachzufragen, wann mit einem nächsten Call gerechnet werden kann.

Schritt 3: Machen Sie sich mit den spezifischen Dokumenten und Formularen zur jeweiligen Ausschreibung vertraut. Diese sind immer online abrufbar.

Schritt 4: Suchen Sie gegebenenfalls nach Kooperationspartnern. In grenzüberschreitenden Förderprogrammen brauchen Sie Projektpartner aus anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Der Europäische Fonds für strategische Investitionen

Der Europäische Fonds für strategische Investitionen, auch als EFSI bezeichnet, gehört zu einer gemeinsamen Initiative der Europäischen Investitionsbank und des Europäischen Investitionsfonds (EIB-Gruppe) sowie der Europäischen Kommission. Mit dieser Initiative werden Mittel für strategische Investitionsprojekte flüssig gemacht werden. Der Europäische Fonds für strategische Investitionen stellt Fördermittel für folgende Bereiche zur Verfügung:

  • Forschung, Bildung, Innovation und Entwicklung
  • Strategische Infrastruktur in Form von Verkehr, Energie und digitalen Netzen.
  • Ausbau von Ressourceneffizienz und erneuerbarer Energie.
  • Förderung von KMUs und Midcap-Unternehmen.

EFSI – Förderungen im Tourismus: Zu den förderfähigen Maßnahmen im Tourismusbereich gehören alle Arten von Investitionen und Transaktionen, die für die Entwicklung der KMU-Tätigkeiten nützlich und notwendig sind, innerhalb der EU.

Beispiele:

  • Umnutzung bereits bestehender Anlagen oder Gebäude für Erholungszwecke.
  • Errichtung einer sogenannten Investitionsplattform (IP) für den Fremdenverkehr.
  • Reiseinfrastrukturen (Häfen, Regionalflughäfen, etc.)
  • Finanzierungsvereinbarungen für KMUs, die in der Tourismusbranche tätig sind.
  • Energieeffizienz von Fremdenverkehrsorten und Hotels

Antragsberechtigt sind alle juristischen Personen, von Nichtregierungsorganisationen, über KMUs, öffentlichen Stellen, Forschungseinrichtungen bis hin zu Tourismus-Clustern und Universitäten. Die Beantragung erfolgt immer über Finanzmittler, über welche sie entsprechende Darlehen oder Bankbürgschaften beantragen können.

Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, kurz EFRE genannt, gehört zur Gruppe der europäischen Struktur- und Investitionsfonds. Zur Aufgabe des EFRE gehören unter anderem die Beseitigung von möglichen Ungleichheiten zwischen den verschiedenen, europäischen Regionen sowie die Stärkung des sozialen, territorialen und wirtschaftlichen Zusammenhalts in EU.

Mit diesem Fonds kann die Wettbewerbsfähigkeit und Qualität des regionalen und lokalen Tourismus verbessert werden. Vor allem Gebiete, welche vom ländlichen und/oder industriellen Niedergang betroffen sind, haben die Chance zu profitieren.

Im Tourismussektor werden folgende Zielsetzungen über den EFRE-Fonds unterstützt:

  • Die Wende zu einer CO2-armen Wirtschaft.
  • Die Steigerung der Ressourceneffizienz und der Schutz der Umwelt.
  • Der Ausbau von Kommunikations- und Informationstechnologien.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen.
  • Der Ausbau von Kompetenzen, Bildung und lebenslanges Lernen.
  • Die Mobilität und Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen.

Innerhalb des EFRE-Fonds werden nicht nur regionale Programme, sondern auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit (Interreg A), die transnationale Zusammenarbeit (Interreg B) und die interregionale Zusammenarbeit (Interreg C) gefördert.

Beispiele für EFRE-förderfähige Maßnahmen im Tourismusbereich:

  • Entwicklung von IKT-Produkten im Tourismusbereich, wie z.B. Apps oder Online-Plattformen.
  • Technologische Entwicklung, Forschung und Innovationen im Tourismusbereich, inklusive innovative Dienstleistungen und Cluster.
  • Entwicklung innovativer Tourismusdienstleistungen, neuer Geschäftsmodelle und Umsetzung neuer Ideen, vor allem in Randgebieten und Regionen mit schwacher Wirtschaftsstruktur.
  • Maßnahmen zur Energieeffizienzverbesserung und Einsatz von erneuerbaren Energiequellen durch kleine und mittlere Fremdenverkehrsbetriebe.
  • Entwicklung von wertsteigernden Dienstleistungen und Angeboten in Nischenmärkten, wie z.B. im Bereich: Seniorentourismus, Ökotourismus, Kulturtourismus, Sporttourismus, Gastronomie- und Gesundheitstourismus.
  • Unterstützung von kleinen Infrastrukturen für den nachhaltigen Kulturtourismus.
  • Erschließung, Vermarktung und Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes im Bereich des Fremdenverkehrs.
  • Maßnahmen zur Förderung von Selbstständigkeit, Unternehmensgründungen, Unternehmertum und Internationalisierung von KMUs und Clustern im Fremdenverkehrsbereich.

Antragsberechtigt sind alle juristischen Personen von Unternehmen, über Forschungseinrichtungen, Universitäten, Tourismus-Cluster, öffentliche Stellen, KMUs NGOs etc. Die Höhe und Art der Förderung variiert je und ist in der Höhe und Art von den Entscheidungen und Bedürfnissen der jeweiligen Mitgliedsstaaten abhängig.

Wie erfolgt die Zuweisung von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung?

Sie können Fördermittel aus dem EFRE sowohl als direkte Finanzhilfe als auch über Finanzinstrumente erhalten. Eine direkte Finanzhilfe erfolgt an einzelne Begünstigte. Eine Förderung über Finanzinstrumente geschieht in Form eines Darlehens, Kreditbürgschaften oder Risikokapital. Auch durch die Vergabe von öffentlichen Aufträgen, z.B. für Machbarkeitsstudien, Unterstützungsdienste, etc. kann eine Finanzhilfe entstehen.

Wenn Sie eine Förderung aus dem EFRE in Betracht ziehen, müssen Sie prüfen, ob Ihr Vorhaben die Investitionsprioritäten und Auswahlkriterien erfüllt des jeweiligen Programms erfüllt. Um einen Antrag einzureichen, sollten Sie das Antragsverfahren der für Sie zuständigen Verwaltungsbehörde beachten.

Der Europäische Sozialfonds

Mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) sollen vor allem Projekte und Vorhaben gefördert werden, die der Förderung der Beschäftigung sowie der Mobilisierung von Arbeitskräften dienen. Auch Projekte, welche die beruflichen Qualifikationen in der EU verbessern, werden hierdurch unterstützt.

Der Europäische Sozialfonds fördert verschiedene Maßnahmen im Tourismusbereich, darunter vor allem die berufliche Weiterbildung von Tourismusbeschäftigten sowie von Menschen in schwierigen Situationen oder benachteiligten Personengruppen, deren Arbeitsintegration in der Tourismusbranche unterstützt werden soll.

Förderfähige Maßnahmen:

  • Aus-und Weiterbildung von Menschen in schwierigen Situationen.
  • Weiterbildung von benachteiligten Personen, um bessere Beschäftigungsmöglichkeiten oder Qualifikationen zu erhalten.
  • Förderung von lebenslangem Lernen sowie Umschulung und Weiterbildung von touristischen Arbeitskräften.

Antragsberechtigt sind alle juristischen Personen wie KMUs, Gewerkschaften, Aus-und Weiterbildungsanbieter, Genossenschaften etc.., die innerhalb des Tourismussektors tätig sind.

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER)

Mit Hilfe dieses Fonds findet die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten Unterstützung. Gefördert wird unter anderem die Entwicklung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in ländlichen Gebieten, welche im Bereich des verantwortungsbewussten und nachhaltigen Fremdenverkehrs tätig sind. Unter anderem kann die Fördermaßnahme LEADER für die Unterstützung von touristischen Vorhaben in den jeweiligen LEADER Gebieten von Interesse sein.

Welche Maßnahmen genau förderfähig sind, ist im Operationellen Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums bzw. in den Lokalen Entwicklungsplänen der jeweiligen LEADER-Gebiete festgehalten. So sind z.B. Ausbildungskurse oder Workshops im Bereich Tourismus in ländlichen Regionen förderungsfähig, ebenso wie Kooperationsprojekte zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Antragsberechtigt sind juristische oder natürliche Personen, die in einer ländlichen Region tätig sind.

„Horizont 2020“ – Ein Rahmenprogramm der Europäischen Union

„Horizont 2020“ ist das Rahmenprogramm der EU, welches im Zeitraum 2014-2020 Projekte in den Bereichen Innovation und Forschung fördert. Das Rahmenprogramm besteht aus unterschiedlichen Programmbereichen, welche wiederum in Teilbereiche bzw. Einzelziele unterteilt sind. Für die Tourismusbranche sind folgende Programmbereiche am interessantesten:

  • Das 7. Forschungsrahmenprogramm, kurz RP7.
  • Innovationsrelevante Tätigkeiten des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation, kurz CIP genannt.
  • Der EU-Beitrag zum Thema Europäische Innovations- und Technologieinstitut, kurz EIT.

Erasmus+

Das Förderprogramm unterstützt Maßnahmen zum Aufbau von Qualifikationen und der Beschäftigungsfähigkeit. Dabei können für den Tourismus Mobilitätsprojekte in Form von mehrmonatigen Praktika zur beruflichen Aus-und Weiterbildung, gemeinsame Masterabschlüsse und strategische Partnerschaften von besonderem Interesse sein.

QUELLE:

Leitfaden EU-Förderungen für den Tourismussektor 2014-2020