Wie Sie EU-Fördergelder in Ihre GmbH holen

Für viele scheinbar weit weg, ist die Europäische Union doch näher als wir denken, und das nicht immer mit vermeintlich sinnbefreiten und allzu bürokratischen Regelungen, sondern in Form von EU-Fördergeldern. Denn der größte Teil von EU-Fördermitteln in unserem Land wird als Strukturfondsgelder direkt vor unserer Haustür vergeben. Von diesen Fördertöpfen sollte auch Ihr Unternehmen profitieren, und wir verraten Ihnen wie.

Für die Skeptiker unter Ihnen, welche die damit verbundene Arbeit und Bürokratie fürchten: Ja, es ist Arbeit, aber Arbeit, die sich lohnt. Nur wer einen Antrag stellt, kann auch gefördert werden.

Gerade unter den Kleinst- und Kleinunternehmen in Südtirol herrscht der weitverbreitete Irrglaube, dass EU-Fördermittel nur etwas für die großen Player seien. Dass dem nicht so ist, beweist eine Reihe von EU-Förderungen, die von KMUs aktiviert werden können. Sofern Ihr Vorhaben einen Beitrag zur Erreichung der politischen Ziele der EU leistet, haben Sie hervorragende Chancen an EU-Gelder zu kommen.

Lesen Sie jetzt, wie Sie Fördergelder für Ihr Unternehmen aktivieren.

Die Europäische Union und ihre politischen Ziele

In Bezug auf die Jahreszahl scheinen die Ziele der Europa Strategie 2020 schon fast überholt, aber sie haben bis dato nicht an Aktualität verloren und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und Schaffung neuer Arbeitsplätze.
  2. Erhöhung des öffentlichen und privaten Investitionsvolumens in Forschung und Entwicklung.
  3. Verringerung des CO2-Austoßes, Steigerung des Anteils von erneuerbaren Energien sowie Erhöhung der Energieeffizienz.
  4. Europaweite Reduzierung der Schulabbrecherquote.
  5. Bewahrung der Menschen vor dem Risiko der Armut und der Ausgrenzung.

Wie passen Ihre Unternehmensziele zu denen der EU?

Ganz einfach: Indem Sie die wirtschaftlichen Geschäftsziele Ihrer GmbH im Blick haben und umsetzen, können Sie gar nicht anders, als einen Beitrag zur Erfüllung der politischen Ziele der EU zu leisten.

  • Ihr Unternehmen wächst und Sie schaffen neue Arbeitsplätze: Damit helfen Sie, die Beschäftigung zu sichern.
  • Sie treiben Innovation voran und entwickeln neue Produkte, möglicherweise mit Partnern und/oder Forschungseinrichtungen aus dem europäischen Ausland.
  • Ihr Unternehmen investiert in neue Mitgliedsstaaten der EU.

Bevorzugung mittlerer bzw. kleiner Unternehmen

Der Schwerpunkt vieler EU-Förderungen liegt bei kleinen und mittleren Unternehmen, die im Vergleich zu den großen Unternehmen häufig eine höhere Förderquote zugesprochen bekommen. Unter Förderquote versteht sich die Höhe des Förderanteils, mit welchem sich die EU entweder direkt oder zusammen mit dem Staat und der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol an der Gesamtsumme der Projektkosten beteiligt.

Die bedeutsamsten Fördertöpfe der EU für Ihre GmbH

Zwei Förderbereiche sind für Ihre GmbH von besonderer Bedeutung:

1. Regionale Projektförderung durch Strukturfonds

EU-Strukturfonds werden vor Ort, also von den lokalen Behörden verwaltet. Die konkreten Ansprechpartner sitzen also auf Landesebene.

Und noch etwas sollten Sie sich merken: Strukturfonds sind Zielgebietsförderungen. Das bedeutet, dass das Unternehmen, welches den Förderantrag stellt, auch im Zielgebiet ansässig sein muss. Wirtschaftlich schwächer entwickelte bzw. ländliche Gebiete erhalten eine größere finanzielle Unterstützung als städtische Ballungszentren.

EFRE – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

Der Fokus des EFRE-Programms liegt in der Wirtschaftsförderung und dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und den dort ansässigen Unternehmen.

Dementsprechend greifen EFRE-Förderungen in folgenden Bereichen.

  • Investitionen und Maßnahmen zur Sicherung bestehender oder zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
  • Unterstützung von Tätigkeiten und Entwicklungsinitiativen von KMUs in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien, Mobilität Umwelt und Energie, soziale Infrastrukturen, Innovation und Forschung sowie Kultur sowie Fremdenverkehr.

Nähere Infos zu EFRE finden Sie hier.

ESF – Europäischer Sozialfonds

Der Europäisch Sozialfond fördert Projekte zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, zum beruflichen Kompetenzaufbau und zur sozialen Inklusion. Letztlich unterstützt die Europäische Union mithilfe des ESF die aktive Arbeitsmarktpolitik.

Zu den Themenschwerpunkten des ESF zählen:

  • Die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen, arbeitssuchenden Jugendlichen und benachteiligten Personengruppen in den Arbeitsmarkt.
  • Die Förderung von Chancengleichheit.
  • Gleichstellung von Mann und Frau am Arbeitsmarkt.
  • Die Steigerung beruflicher Kompetenzen von Arbeitnehmer*innen.
  • Die Unterstützung von Humanressourcen in der technologischen Entwicklung und Forschung.

Nähere Infos zum ESF finden Sie hier. 

2. Förderungen unmittelbar aus Brüssel – Brüsseler Aktionsprogramme

Für diese Programme werden die Förderanträge unmittelbar in Brüssel, also bei den Institutionen der EU eingereicht.

Die Europäische Union fördert auch Kooperationsprojekte mit internationalen Partnern. Für kleine und mittlere Unternehmen ergibt sich daraus die Möglichkeit sich dem europäischen Auslandsmarkt zu widmen. Hinzu kommt das Finden verlässlicher, in Zielländern ansässiger, Kooperationspartner, mit denen man über mehrere Jahre hinweg aufgrund des Projektes zusammenarbeitet. Sowohl die Antragssprache als auch die Arbeitssprache sind in diesen Projekten zu einem großen Teil Englisch. Die Ausschreibungsunterlagen hingegen liegen oftmals in der jeweiligen Sprache der Mitgliedsstaaten vor. Nationale oder regionale Kontaktstellen können viele Fragen zur Förderfähigkeit Ihres Vorhabens und zur Antragstellung klären. Scheuen Sie sich nicht davor, gegebenenfalls auch direkt in Brüssel nachzufragen unter „Europe direct“.

Nähere Infos zu EU-Kooperationsprojekten finden Sie hier.

Die für kleine und mittlere Unternehmen relevanten thematischen Förderbereiche sind: Forschung und Entwicklung, Energie, und Umwelt, Mobilität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, Bildung, Medien und Kultur.

Auch Möglichkeit der Mehrfachanträge: Die meisten EU-Programme und ihre Ausschreibungsfristen verteilen sich in regelmäßigen oder über bestimmte Zeiträumen hinweg. Infolgedessen besteht immer wieder die Möglichkeit Fördergelder zu beantragen oder erneut einzureichen, selbst wenn Ihr Antrag von der EU schon mal abgelehnt wurde.

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Die Erstellung eines Antrages auf benötige EU-Fördermittel

Ein guter Projektantrag fußt auf einer klaren Definition der Projektziele, einer guten Planung und der systematischen Entwicklung des vorgenommenen Projektes. Eine erfolgreiche Teilnahme an Förderausschreiben setzt voraus, das die Zielsetzungen Ihres Vorhabens mit den Zielen des jeweiligen Förderprogramms übereinstimmen. Je nach Art des Förderprojektes und Anzahl der möglichen Projektpartner kann die Vorbereitungszeit bzw. Projektentwicklung auch schon mal ein Jahr in Anspruch nehmen. Fakt ist, der Erfolg eines Förderprojektes in Genehmigung und Umsetzung hängt wesentlich von der fundierten Planung ab.

Unser Tipp: Verzichten Sie nicht auf den persönlichen Kontakt mit der Vergabestelle der Fördergelder. Durch eine detaillierte Klärung können Sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen. Außerdem beginnen Sie so frühzeitig mit dem Aufbau und der Pflege einer guten Arbeitsbeziehung zu den Sachbearbeiter*innen der Förderprogramme, welche es Ihnen ermöglicht, wichtige Informationen schnell und direkt in Erfahrung zu bringen und gegenüber Ihren Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein.

In unseren FAQ’s finden Sie noch weitere wichtige Informationen bzgl. Ihres Projektantrages.

Strukturfonds oder thematische Förderprogramme?

Antrag einer Strukturfondsförderung:

Die Antragstellung in den EU-Strukturfonds erfolgt über die sogenannte Bewilligungsstelle bzw. Verwaltungsbehörde. Daher achten Sie darauf dass Sie mit der Relevanz Ihres Vorhabens überzeugen, z.B. indem damit neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Antrag einer thematischen Förderung unmittelbar in Brüssel:

Ist ein Brüsseler Aktionsprogramm Ihrer Meinung nach die passendere Möglichkeit, sollten Sie zur Absicherung Ihrer Chancen auf Fördergelder den Fokus immer auf den Zielen der Europäischen Union halten. Werden diese mit Ihrem Projekt angesprochen, steht einem Erfolg nichts im Weg.

Wichtig: Sorgfältige Wahl von Kooperationspartnern

Die Europäische Union ist insbesondere jenen Projekten zugetan, welche vonseiten mehrerer europäischer Länder bzw. Partner im gemeinsamen Diskurs entwickelt und umgesetzt werden. Hierbei steht Qualität vor Quantität, und deshalb spielt die Qualität der von Ihnen vorgenommenen Partnerschaften eine entscheidende Rolle. Abgesehen von der programmspezifisch möglicherweise vorgesehenen Mindestanzahl an Projektpartnern ist die Anzahl der Projektpartner kein Förderargument. Sehr wohl können gute Projektpartner den Projekterfolg wesentlich beeinflussen. Ein guter Partner bringt bestenfalls sowohl internationale Projekterfahrungen als auch herausragende Kompetenzen mit. Vorsicht ist allerdings bei Partnern geboten, die vor allem eines im Sinn haben: Geld. Diese laufen Gefahr, weniger auf den Inhalt der Arbeit und dessen Ergebnisse am Ende zu achten, sondern ihre ganze Aufmerksamkeit dem Projektbudget zuzuwenden.

5 Tipps für erfolgreiche Förderanträge

  1. Beachten Sie formale Anforderungen: Es kommt bei EU-Förderanträgen nicht nur auf den Inhalt an, auch die formalen Vorgaben müssen erfüllt werden, und genau daran scheitern Antragsteller häufig. Das Fehlen einer Unterschrift oder einer verpflichtenden Anlage reicht schon, um frühzeitig aus dem Rennen um Fördergelder auszuscheiden. Umgehen Sie diese Falle und nehmen Sie bei eventuellen Unklarheiten Kontakt mit der zuständigen Förderstelle auf. Mit einer Checkliste für Ihr Antragsprojekt behalten Sie den Überblick und es entgehen Ihnen keine Kleinigkeiten, wenn die Zeit vor der Abgabe-Deadline knapp wird.
  2. Planen Sie genügend zeitliche Ressourcen ein, um die in der Regel sehr umfangreichen EU-Förderanträge fristgerecht aufzusetzen. Nebenbei zum Alltagsgeschäft lässt sich das nur schwer machen. Alternativ können Sie auf die Unterstützung professioneller Fundraiser*innen zurückgreifen.
  3. EU-Projekte werden in der Regel nicht zu 100 Prozent finanziert. Die Höhe der Förderquote variiert je nach Förderprogramm und Ausschreibung. In der Regel muss Ihr Unternehmen einen Eigenanteil einbringen. Informieren Sie sich im Detail über die förderfähigen und nicht-förderfähigen Kosten sowie die Auszahlungs- und Abrechnungsformalitäten.
  4. Sichern Sie die Vorfinanzierung Ihres Förderprojektes: Warum das? Abgesehen von den oben angeführten Eigenmitteln, zahlt die EU genehmigte Förderbeiträge üblicherweise in Tranchen bzw. nach Vorlage von Zwischen- oder Endabrechnungen aus. Dabei kann es bei der Auszahlung der Mittel immer wieder zu zeitlichen Verzögerungen kommen, die möglicherweise Ihre interne Liquiditätsplanung beeinflussen.
  5. Wie überzeugen Sie die Auswahlkommission von Ihrem Antrag? Achten Sie darauf, dass Ihr Antrag Antworten auf alle gestellten Fragen liefert, Zusammenhänge klar darlegt und beim ersten Lesen zugänglich und allgemeinverständlich ist. Ihr Antrag wird auf der Grundlage von eines Bewertungskriterienkataloges geprüft. In der Regel werden für jedes Kriterium Punkte vergeben, und die Projekte mit der höchsten Punktezahl bekommen den Förderzuschlag. Das heißt für Sie: Formulieren Sie den Antrag so, dass Sie in allen Bewertungskategorien punkten, und achten Sie darauf, dass Ihre Texte übersichtlich und verständlich sind. Erarbeiten Sie eine gute Projektzusammenfassung, um die notwendigen Argumente für die positive Bewertung Ihres Antrages auf den Punkt zu bringen.

Seien Sie gewiss: Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sind Sie Ihren Konkurrenten im Wettbewerb um Fördergelder mindestens eine Nasenlänge voraus!

QUELLE:

Praxishandbuch GmbH-Geschäftsführer, Ausgabe 7/2008, Wie Ihre GmbH EU-Fördermittel bekommt, S. 31 ff.