Der Skandal um die ESF-Gelder liegt bereits einige Jahre zurück, doch scheinbar wagen sich immer noch nicht viele Unternehmen an den EU-Fördertopf mit 100%-iger Förderung heran. Wir haben uns gefragt, warum dem so ist?

Europas wichtigstes Instrument zur Förderung der Beschäftigung

Die vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Maßnahmen ermöglichen Menschen den Zugang zu besseren Arbeitsplätzen und fairen Berufsaussichten, indem er in Arbeitnehmer, Jugendliche und Arbeitssuchende investiert. Im aktuellen Programmzeitraum 2014-2020 stehen allein in Südtirol rund 128 Millionen Euro zur Verfügung, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, eine bessere Aus- und Weiterbildung zu garantieren, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die Weiterbildung in den Unternehmen zu fördern, Menschen mit Schwierigkeiten zu unterstützen sowie praxisnahe Projekte zu fördern, die vor Ort positive Auswirkungen für den Arbeits- und Lebensraum der Menschen haben.

Ist die Bürokratie zu stemmen?

Viele Unternehmen schrecken vor dem vermeintlichen bürokratischen Aufwand zurück, ein ESF-Projekt einzureichen. Und es stimmt, die Fördergelder werden einem nicht geschenkt, man muss auch etwas dafür tun. Wer jedoch bereit ist, Zeit und Ressourcen zu investieren, wird mit einer 100-prozentigen Förderung belohnt!

„Die Antragstellung aber auch die Projektumsetzung sind im Vergleich zu damals um einiges leichter geworden“, so Miriam Rieder von der Förderfactory. „Früher mussten wir ordnerweise Papier nach Bozen bringen, heute können wir alles über das EDV-System CoheMon abwickeln.“

Dass trotz dieser Erleichterung viele Unternehmen davor zurückschrecken, Anträge einzureichen, kann die seit 20 Jahren tätige Fördermittelexpertin gut nachvollziehen. Das operationelle Programm sei noch nicht optimal, denn es ist aktuell so geschrieben, dass gewisse Träger nicht darauf zugreifen könnten, zum Beispiel Sozialgenossenschaften, die mit Migranten arbeiten. „Wünschenswert wäre eine Anpassung des Programms für die nächste Periode, und zwar in Bezug auf die Bedürfnisse des Territoriums“, sagt Rieder. Dies ist auch ganz im Sinne der Landesabteilung Europa und des ESF-Amtes, die unter Einbeziehen von Unternehmen, Verbänden und allen anderen Stakeholdern bestrebt sind, für die bevorstehende Programmperiode 2021-2027 ein neues und besseres Programm auszuarbeiten.

Abhilfe kommt früher als erwartet

Einen ersten Schritt in Richtung Vereinfachung soll es jedoch bereits im nächsten Jahr geben. Im Rahmen eines für Anfang 2020 geplanten Aufrufes sollen erstmals Voucher für Weiterbildungsmaßnahmen über ESF vergeben werden. Wir von der Förderfactory halten euch dazu auf jeden Fall auf dem Laufenden!