Vor Kurzem hat die Südtiroler Wirtschaftszeitung (SWZ) einen Artikel über die in Südtirol tätigen Förderexpert*innen veröffentlicht und die Förderfactory ist mit dabei!

(aus der SWZ)

Bozen – Die Wirtschaftsförderung in Südtirol wird gut genutzt, da sie für die Anspruchsberechtigten und deren Wirtschaftsberater in der Regel kein Buch mit sieben Siegeln ist und obendrein die Wirtschaftsverbände ihren Mitgliedern mit Rat und zuweilen auch mit Tat zur Seite stehen. In der Praxis geht es darum, herauszufinden, für welche Investitionen es welche Förderungen gibt, dann aber auch um die termin- und formgerechte Einreichung der Gesuche und der Unterlagen sowie die spätere Beibringung der Ausgabenbelege und Abrechnungen.

Nicht ganz so gut bestellt ist es um die Nutzung staatlicher Hilfen und der verschiedenen EU-Fonds und Gemeinschaftsförderungen. Informationen über die diesbezüglichen Initiativen und Ausschreibungen sind zwar nicht schwer zu beschaffen, aber vielfach fehlt die Zeit, um ständig ein Auge auf das zu werfen, für was es gerade Geld gibt. Außerdem ist der bürokratische Aufwand beträchtlich, und Laien unterlaufen leicht Fehler bei der Gesuchstellung und der weiteren Abwicklung, was den Ausschluss nach sich zieht. Auch heißt es insbesondere im Falle von manchen staatlichen Förderungen rasch handeln, denn die  bereitgestellten finanziellen Ressourcen sind begrenzt und werden nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Zum Zug kommt dann nur, wer fehlerfrei Anträge vorbereitet und bei den sogenannten Click Days seine Finger rechtzeitig am Sendeknopf hat.

Viele Dienstleister arbeiten auf Erfolgsbasis

Wenn es um EU-Förderungen geht, ist die Aufgabenstellung für Interessenten noch komplexer. Zwar unterstützt die Europaabteilung der Landesverwaltung Organisationen in Förderungsfragen. Verschiedentlich wissen einheimische Unternehmen jedoch nicht einmal, dass sie eigentlich anspruchsberechtigt sind, so dass sie manche Finanzierungsquellen nicht nutzen, was bedeutet, dass die Gelder von anderen abgeschöpft werden. Es gibt demnach Informations- und Unterstützungsbedarf.

Wie immer, wenn es am Markt Leistungsnachfrager gibt, reagiert dieser durch die Schaffung eines entsprechenden Angebots. In Deutschland etwa sind schon in den 1990er-Jahren Unternehmen entstanden und gewachsen, denen aufgefallen ist, dass mittelständische Unternehmen viele Millionen an öffentlichen Zuschüssen nicht abrufen, weil sie sich im Fördermittel-Dschungel nicht zurechtfinden und professionelle Hilfe bei der  Antragstellung, Abwicklung und Ausschüttung benötigen. Der Erfolg dieser Dienstleister dort gründet auf der Tatsache, dass viele von ihnen in der Regel auf Erfolgsbasis arbeiten: Sie wickeln den Vorgang ab und kassieren einen Prozentanteil des Förderbetrags. Wird kein Zuschuss gewährt, fallen für die Auftraggeber kaum oder gar keine Kosten an.

Die Anbieter in Bozen

Auch in Südtirol haben sich neben den Wirtschaftsverbänden (manche tun in diesem Bereich mehr, andere weniger) verschiedene Dienstleister etabliert, die professionelle Hilfe anbieten. Marktführer ist die Soul GmbH mit Sitz in der Bozner Altmannstraße, die heute an die 30 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren von Ruggero Lopriore gegründet und wird heute von ihm und seinem Bruder Michele geführt. Am Beginn stand die Beratung von Investoren im Bereich der erneuerbaren Energien, und mit dieser Leistung wurden Kunden in ganz Italien akquiriert. Heute unterhält Soul eine Niederlassung in Verona und Stützpunkte in vielen Regionen. Dieses Geschäft war lange Zeit eng mit staatlichen Förderungen verknüpft. Daraus hat sich dann ein 360-Grad-Angebot in allen Förderbereichen entwickelt – von der Erschließung von Beiträgen aller Art bis zur Rückerstattung von Akzisen auf den Energieverbrauch. „Dabei geht es“, sagt Ruggero Lopriore, „nicht ausschließlich um Zuschüsse der öffentlichen Hand, sondern vielmehr um Kostenoptimierungen – und die konsequente Nutzung von Fördermitteln ist einer der Aspekte.“ An die 1.500 Kunden, vielfach große Firmen, hat das Unternehmen seit seiner Gründung betreut. „In Südtirol gibt es sehr viele gut aufgestellte Unternehmen, die viel Kraft in die Markterweiterung und die Erschießung neuer Geschäftsfelder gesteckt haben und für die ein effizientes Kostenmanagement nicht so überlebenswichtig war wie für so manche Betriebe in anderen Regionen. Deshalb haben sie diese Aufgabe ein wenig vernachlässigt. Das hat sich zuletzt aber geändert, und seit zwei, drei Jahren sind wir verstärkt in der Provinz Bozen tätig, auch mit Kunden deutscher Muttersprache“, erläutert Lopriore, der darauf hinweist, dass Soul zu 99 Prozent auf Erfolgsbasis arbeitet.

Ebenfalls in Bozen angesiedelt sind zwei weitere Wettbewerber in diesem Sektor. Die Forteam GmbH in der Buozzistraße ist von Riccardo Cicolini und Marco Caresia gegründet worden, zwei ehemaligen Bediensteten der Landesabteilung italienische Berufsbildung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Veränderungs- und Bildungsprozesse von der Organisation bis zur Innovation und bis zur Identifizierung von Bildungsbedürfnissen und damit zusammenhängend auch Analysen von Ausschreibungen, Kofinanzierung und Unterstützung bei Akkreditierungsprozeduren für den Zugang zu öffentlichen Finanzierungen im Bereich Bildung und Innovation. Die Liste der Kunden in Südtirol ist lang.

Die Consage GmbH mit Sitz in der Streitergasse unterstützt ihre Kunden bei der Suche nach Fördermitteln des Landes, des Staates und der EU. Für jedes Investment werden mögliche Bezuschussungen ausfindig gemacht; auch werden die Beitragsgesuche vorbereitet und die Vorhaben bis zur Auszahlung der gewährten Summen begleitet. Das Team rund um den gesetzlichen Vertreter Sergio Bonura besteht aus einem Dutzend Leuten.

In Sachen EU-Förderungen hat das Landesamt für europäische Integration einst ein Verzeichnis von Experten erstellt, die von Projektträgern beigezogen werden können, wenn es um Ansuchen um Direktförderungen der EU-Kommission geht. Diese Liste ist jetzt jedoch nicht mehr online. Das Amt begründet dies unter anderem damit, dass die recht geringe Nachfrage nach solchen Leistungen die Führung und Ajournierung eines solchen Verzeichnisses nicht rechtfertigt. Einige
dieser Fachleute sind jedoch in diesem Sektor tätig geblieben. Zu ihnen gehören Maria Gufler und Miriam Rieder.

Zwei Frauen am Land

Die Tourismusmanagerin Maria Gufler von Eisath Marketing & Sports in Eggen (Deutschnofen) hat ihren Angaben zufolge im Laufe der Jahre so an die 20 EU-Projekte betreut, vorrangig Interreg-Projekte Italien – Österreich und Italien – Schweiz mit Schwerpunkt Mobilität, darunter das Projekt „Erlebnisstraße Timmelsjoch“ zwischen Passeier und Ötztal. Sie könne, sagt sie, zwischen ihren anderen Tätigkeiten maximal zwei Projekte im Jahr gleichzeitig betreuen. Wert legt sie auf den Hinweis, dass Gemeinden 80 bis 100 Prozent der Kosten an Zuschüssen erhalten können, wenn sie grenzübergreifend Initiativen ergreifen. Beim jüngsten EU-Gipfel wurde die Kürzung dieser Mittel vereinbart, so dass man erst abwarten muss, wie sich dies in der Praxis auswirkt.

Die Betreuung von Unternehmen und anderen Organisationen in allen Fragen öffentlicher Förderungen zu ihrer vorwiegenden Tätigkeit gemacht hat Miriam Rieder, die zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister von Sand in Taufers und SWR-Präsidenten Helmuth Innerbichler über die Innerbichler Rieder GmbH die Förderfactory gegründet und sich mit ihr und einer weiteren Mitarbeiterin im Löwencenter in Vahrn niedergelassen hat. Dieses Unternehmen durchleuchtet die Vorhaben von Kunden auf ihre Förderfähigkeit und führt einen unverbindlichen und kostenfreien Check durch. Die Honorare werden jedoch laut Rieder nicht wie in dieser Branche üblich in Form eines Startgeldes und einer Erfolgsprämie berechnet, sondern es wird eine fixe Pauschale angewandt. Rieder hält es einerseits für bedenklich, einen Teil einer öffentlichen Förderung für Beratungsleistungen zu deren Erlangung abzuzweigen, anderseits gibt sie zu bedenken, dass Aufwand und Ertrag in vielen Fällen recht unterschiedlich sind, so dass ein auf Förderungsbeteiligung basierendes Beraterhonorar einmal
unangemessen hoch, ein andermal zu niedrig sein kann. Stolz ist sie darauf, dass 89 Prozent der von ihr bisher betreuten Anträge positiv beschieden worden sind. Zurückzuführen sei dies auf ihre inzwischen insgesamt zwanzigjährige Erfahrung mit Förderungen und eine gute Vernetzung.

Eines heben alle Beitragsspezialisten hervor: Öffentliche Förderungen sollten nicht allein ausschlaggebend für Investitionen sein, aber sie sind eine wesentliche Hilfe, und es wäre eine betriebswirtschaftliche Sünde, diese Quelle ungenutzt zu lassen.